Berlin. Auf der Fachkonferenz Mobility Move des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Berlin diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Kommunen, Mobilitätsunternehmen und Verbänden über die Zukunft des ÖPNV und autonomer Mobilität. Auf dem Podium dabei war Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen. Seine zentrale Botschaft: Robotaxis werden kommen – doch ohne klare Regeln drohen die gleichen Fehlentwicklungen wie beim Ride-Hailing.
Der Robo-Taxi-Case
Unter der Überschrift „Der Robo-Taxi-Case“ stellte zunächst Prof. Dr.-Ing. Martin Kagerbauer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Modellierung für die Städte Mannheim und Friedrichshafen vor. Das Ergebnis: Je größer eine Stadt ist und je weniger reguliert und günstiger Robotaxis operieren, desto stärker verlagern sie Mobilität aus dem Umweltverbund – also aus Bus, Bahn, Fahrrad oder Fußverkehr – auf die Straße.
Diese Dynamik kommt vielen im Taxigewerbe bekannt vor. Ähnliche Effekte lassen sich bereits heute beim billigen Ride-Hailing beobachten, etwa bei Plattformen wie Uber oder Bolt.
Im Anschluss diskutierte Oppermann mit Xanthi Doubara (Via Mobility), Christoph Helf (Landeshauptstadt München), Martin Kagerbauer (KIT), Martin Schmitz (VDV) und Roland Werner (Uber) über die Folgen autonomer Mobilitätsdienste.
Robotaxis kommen, aber nicht ohne Regulierung
Oppermann stellte in der Diskussion klar, dass autonome Technologien nicht als Bedrohung verstanden werden sollten. „Taxi und Mietwagen sind nicht das Gegenmodell zum autonomen Fahren, sondern ein mögliches Betriebsmodell dafür“, betonte er. Autonome Fahrzeuge müssten überwacht, disponiert, gewartet und in bestehende Verkehrssysteme integriert werden; operative Kompetenzen, die im Taxi- und Mietwagengewerbe bereits vorhanden seien.
Gleichzeitig machte Oppermann deutlich, dass die Einführung von Robotaxis Regeln braucht. Besonders Städte müssten weiterhin die Möglichkeit haben, den Verkehr zu steuern. „Der öffentliche Raum gehört der Stadt“, so Oppermann. Kommunen müssten entscheiden können, wo autonome Fahrzeuge eingesetzt werden, wie viele Fahrzeuge unterwegs sind und wie sie in die lokale Mobilitätsstrategie passen. Nicht ohne Genugtuung verwies er darauf, dass viele der Instrumente, die heute wieder diskutiert werden, im Taxigewerbe seit langem etabliert sind: Mengensteuerung und Preisregulierung. Regelungen also, die vor wenigen Jahren noch von manchen als überholt bezeichnet wurden.
Stadt oder Land? Wo Robotaxis wirklich fahren
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wo Robotaxis künftig ihren Markt finden werden – auch im ländlichen Raum oder vor allem in großen Städten. Während der Uber-Vertreter wiederholt gegen bestehende Regelwerke argumentierte, die den Einsatz im ländlichen Raum erschwerten, hielt Oppermann dagegen: Ein Großteil der Uber-Partnerunternehmen sitze schließlich in Brandenburg. „Die bestehende Regulierung steht also einem Mobilitätsangebot in Brandenburg nicht im Weg. Trotzdem fahren die alle in Berlin“, entgegnete er. Der Markt suche sich eben die lukrativen Räume – ein Hinweis darauf, dass autonome Angebote realistisch zunächst vor allem in Metropolen entstehen dürften.
Lokale Betreiber statt globaler Plattformen
Ein weiterer zentraler Punkt Oppermanns: Die Einführung autonomer Mobilität dürfe nicht ausschließlich von globalen Plattformunternehmen bestimmt werden. „Autonomes Fahren braucht lokale Betreiber, nicht nur globale Plattformen“, sagte er. Taxi- und Mietwagenunternehmen verfügten bereits über die notwendige Infrastruktur vor Ort, Erfahrung mit Personenbeförderung sowie gewachsene Beziehungen zu Kommunen und Auftraggebern. Technologieunternehmen könnten die Technik liefern – der Betrieb müsse jedoch in verantwortlichen lokalen Strukturen organisiert werden.
Technologie willkommen – aber mit offenen Augen
Für Oppermann steht deshalb fest: Die Branche sollte neue Technologien offen aufnehmen, aber nicht unkritisch. Autonome Systeme könnten beispielsweise helfen, den Fahrermangel abzufedern. Gleichzeitig müsse der Wandel so gestaltet werden, dass neue Qualifikationen und Aufgaben entstehen und Fahrerinnen und Fahrer Perspektiven behalten.
Robotaxis zwischen Aufbruch und Realität
Die Diskussion auf der Mobility Move zeigte zugleich, wie groß der internationale Druck auf die Branche ist. Während in den USA Milliarden in autonome Mobilität investiert werden und Robotaxi-Dienste bereits in mehreren Städten unterwegs sind, befindet sich Deutschland vielfach noch im Pilotprojekt-Modus. Der private Mobilitätsanbieter Transdev warnte auf der Konferenz sogar: „Robotaxis werden uns überrollen.“ Mit „uns“ waren hierbei die über 1.000 ÖPNV-Vertreterinnen und -vertreter gemeint. Die Dienste seien international bereits im Markt und würden zunehmend skaliert.
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) war vor Ort. Große zusätzliche Förderprogramme für autonome Fahrzeuge stellte er allerdings nicht in Aussicht. Die finanziellen Mittel seien begrenzt, erklärte der Minister – Deutschland müsse den Weg zum Markt für autonomes Fahren daher vor allem über Kooperationen, Modellregionen und regulatorische Anpassungen finden. Damit wurde auf der Mobility Move deutlich: Die Technologie kommt schneller, als viele erwartet haben. Umso wichtiger wird die Frage, unter welchen Regeln sie künftig auf unseren Straßen unterwegs ist.
Für Michael Oppermann ist die Antwort klar: Robotaxis brauchen einen regulatorischen Rahmen – und viele der notwendigen Instrumente existieren im Taxiverkehr bereits.