Dortmund. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Versicherung der Kraftfahrt (VdK), dem Risikoträger für das Taxi- und Mietwagengewerbe der SIGNAL IDUNA Gruppe, hat Gregor Beiner, Präsident des Bundesverbands Taxi und Mietwagen e.V., vergangenen Donnerstag einen umfassenden Blick auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Taxi- und Mobilitätsbranche geworfen. Im Zentrum stand dabei die klare Botschaft: Autonomes Fahren wird nicht als Bedrohung verstanden, sondern als bedeutende Chance für den Markt – vorausgesetzt, die Branche gestaltet diesen Wandel aktiv mit.
Beiner betonte, dass autonomes Fahren längst Teil der strategischen Vision sei. Die Auseinandersetzung damit erfolge auf vielfältigen Ebenen und in unterschiedlichen Kontexten. So verwies er auf Eindrücke und Diskussionen aus zentralen Branchentreffen und internationalen Perspektiven – darunter der Deutsche Taxi- und Mietwagentag in Erfurt, eine Fachreise nach Kalifornien, das Format „Meet the Cab“ in Wien sowie die Konferenz „Mobility Move“ des VDV in Berlin. Diese Plattformen zeigen eindrücklich, wie intensiv sich die Branche bereits heute mit technologischen Entwicklungen und deren Auswirkungen beschäftigt und diese Entwicklung mitgestaltet.
Neben dem Blick in die Zukunft rückte Beiner jedoch auch die aktuellen Marktverhältnisse in den Fokus: „Eine der drängendsten Herausforderungen ist die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen, insbesondere im Kontext von Mindestbeförderungsentgelte (MBE) für plattformbasierte Mietwagen.“ Am Beispiel Dortmund verdeutlichte er die Dynamik: „Während die Zahl der Taxis in den vergangenen zehn Jahren um 6,2 Prozent zurückging, ist die Anzahl der Mietwagen allein in den letzten zwei Jahren um 68 Prozent gestiegen. Die Stadt reagiert inzwischen und plant die Einführung von MBE.“
Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Städten zu beobachten. In Köln wurde heute die Allgemeinverfügung zur Einführung von Mindestpreisen zum 1. Juni veröffentlicht, in München, Beiners Heimatstadt, werden die Marktveränderungen bereits seit Jahren intensiv diskutiert und erlebt. Nun sollen in der bayrischen Hauptstadt noch in diesem Monat Mindestpreise beschlossen werden. Insgesamt zeichnet sich ab, dass zahlreiche Kommunen noch in diesem Jahr regulatorische Schritte unternehmen, um wieder ausgewogenere Marktbedingungen zu schaffen.
Beiner machte deutlich, dass diese Themen auch für Versicherungen von hoher Relevanz sind. Neben der klassischen Notwendigkeit, die Märkte und Kunden zu kennen, spielen Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle. „Unfaire Wettbewerbsbedingungen führen häufig zu wirtschaftlichem Druck und in der Folge zu riskanter Selbstausbeutung – mit potenziellen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit“, betonte der Verbandspräsident.
Abschließend unterstrich Beiner die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der VdK. Diese Partnerschaft habe sich bewährt und bleibe gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen ein stabiler Anker. Als Beispiel nannte er einen gemeinsamen Termin in München zum Thema Dooring-Unfälle im Rahmen der Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr #mehrAchtung.
Beiners Vortrag machte deutlich: Die Branche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – doch mit aktiver Gestaltung, klaren Rahmenbedingungen und starken Partnerschaften kann sie diesen erfolgreich meistern.